Assassin’s Creed Syndicate

Die Assassin’s Creed-Reihe ist in den letzten Jahren für mich und einige andere Anhänger der Reihe zu langweilig geworden. Im Jahresrhythmus erschien ein neuer Teil und auch wenn sich Setting, Story und ein paar Details änderten, blieben einschlagende spielerische Erneuerungen Mangelware und das Grundgefühl für mich jedenfalls gleichbleibend. Und das war auf Dauer wenig sexy. Mit Assassin’s Creed Syndicate könnte sich das Blatt allerdings wenden. Mich hat schon seit Jahren kein Teil der Reihe mehr gereizt, daher wird Syndicate zum Scheidepunkt über die Zukunft der Marke und erhält somit eine ganz besondere Funktion: Ubisoft kann mein Herz und das der Community zurückerobern oder die Marke für immer ruinieren. Auf einem Ubisoft-Event hatten wir kürzlich die Möglichkeit, das neue Assassin’s Creed anzuspielen und Syndicate ist seit Jahren der erste neue Teil, der mein eingeschlafenes Interesse wieder geweckt hat. Die Assassin’s Creed-Serie verliert für viele Fans vielleicht erst seit zwei Jahren an Relevanz, vielleicht sogar erst seit Assassin’s Creed Unity vor einem Jahr.

Welcome to London

Assassin’s Creed Syndicate ist im London des Jahres 1886 angesetzt und scheint seinen Open-World-Aspekt ausdehnen zu wollen, indem die Ausrichtung stärker an die GTA-Serie angelehnt wird, gleichzeitig verbindet Ubisoft aber sehr geschickt und intelligent die sich dadurch bietenden Gameplay-Möglichkeiten. Kutschen müssen eskortieren werden, während sich auf der anderen Seite beispielsweise Postkutschen ausnehmen lassen, ihr könnt sogar der Polizei unter die Arme greifen und Kriminelle niederstrecken und der Polizei ausliefern. Das ist am Anfang des Spiels natürlich noch recht einfach, schon nach kurzer Spielzeit stellen sich euch aber Gegner, die dank der deutlich besseren K.I. in diesem Jahr keine einfachen Prügelopfer mehr sind. Ohne Fluchtstrategie solltet ihr euch vor allem nicht mit den Royal Guards anlegen, denn diese gehen eisern und ohne Rücksicht auf Verluste auf euch los, wenn sie euch bemerken.

Assassins-Creed-Syndicate-Big-Ben

Also könnt ihr nicht mehr alleine einer ganzen Gruppe von Gegnern gegenübertreten und diese mit zwei bis drei Kombos problemlos ausschalten. Man muss Routen der Gegner besser beobachten, was den Spieler für seine Mühe und den Einsatz erfolgreicher Taktiken, etwa das Schleichen, belohnt. Die beiden Hauptcharaktere Jacob und Evie, zwischen denen ihr auch wechseln könnt, starten nicht als Assassinen-Meister in das Spiel und sind vergleichsweise schwach. Da können auch mal zwei Gegner schon zum Problem werden. So wird AC Syndicate fordernder als seine Vorgänger und das gefällt mir persönlich gut. Eine ernst zunehmende Größe in London zu werden, dauert auch seine Zeit. Der Charakter des Spielers wird dieses Mal nicht auf einen Schlag zur todbringenden Superwaffe. Um sehr viel stärker zu werden, wird auf das Kollektiv gesetzt ihr baut in AC Syndicate eine Armee mit eigenem Skilltree auf: die Rooks.

Das ist meine Gang

Ihr könnt eben nicht nur zwischen Evie und Jacob wechseln und so ihre charakterspezifischen Fähigkeiten für euren Vorteil nutzen, sondern könnt die beiden auch mit Pistolen, Giftpfeilen, Rauchbomben und andere Gadgets ausrüsten. Aber auch die Rooks lassen sich deutlich aufpimpen. Der sehr umfangreiche Skill-Tree unterteilt sich in Gang-Leader, Insider und Swindler. Insider kaufen sich bei der Polizei ein, die dann mal länger die Augen zudrückt oder für mehr Sicherheit in eurem Stadtteil sorgt, während der Swindler der perfekte Betrüger ist. Zunächst mit einfachen Messern unterwegs, wird die Truppe später mit Schusswaffen oder Kutschen ausgestattet und selbst diese Verbesserungen lassen sich nochmals aufwerten, beispielsweise Kutschen mit verbesserten Rädern. Außerdem kann eure Armee Hinterhalte in den Straßen Londons vorbereiten, etwa Lastkräne, deren Last man herunterschießen kann, wenn sich Feinde darunter befinden.

Assassins-Creed-Syndicate-Evie-stealthy

Promis der Zeitgeschichte

Ubisoft verknüpft seine Assassinen-Geschichte wieder geschickt mit großen Namen der Geschichte und scheint an dieser Stelle noch mehr aufzudrehen. Charles Dickens rennt schon nach wenigen Minuten in in uns hinein. Natürlich darf auch Erfindergeist Graham Bell nicht fehlen und er wird auch nicht der letzte Promi der Zeitgeschichte sein, der uns während AC Syndicate begegnet. Begegnungen mit bekannten Persönlichkeiten gehören seit vielen Jahren zum guten Ton bei Assassin’s Creed, doch diese Szenen könnten mehr Witz gebrauchen, dachte sich wohl Ubisoft. Als Bell beispielsweise mit Evie quatscht und von einem „phonetischen Telegraphen“ spricht, schlägt Evie eine andere Bezeichnung vor: Telefon. Bell lacht nur und findet den Namen „bizarr“. Naja, wir wissen, was aus dem Telegraphen wurde. Vermutlich lest ihr diesen Artikel vielleicht sogar auf einem Nachfolgermodell.

Uns hat Assassin’s Creed Syndicate und die dessen neue Ansätze sehr gut gefallen. Für mich persönlich ist Syndicate sogar der interessanteste Titel der Reihe seit vielen Jahren. Hoffen wir, dass Ubisoft die Stärken der ersten Spielstunden im Verlauf des Spiels weiter ausbaut und uns ein Technik-Debakel wie im vergangenen Jahr mit Assassin’s Creed: Unity erspart bleibt. Wenn das gelingt, hat Ubisoft zumindest einen verlorengegangenen Assassin’s Creed-Fan zurückerobert.

Assassin’s Creed Syndicate ist ab dem 23. Oktober 2015 für PlayStation 4 und Xbox One im Handel erhältlich. Die PC-Version folgt am 19. November 2015.

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