Du willst es doch auch! – Wollen wir wirklich sexuelle Gewalt in Videospielen?

Sexuelle Gewalt ist mittlerweile ein beliebtes Mittel für Entwickler, ihr Spiel ins Rampenlicht zu befördern. Über Sex und Gewalt wird schließlich nur zu gerne diskutiert. Sexuelle Gewalt kann aber auch ein Stilmittel sein, um Emotionen zu schaffen. Aber ist das nötig? Die liebe Flitzi geht für uns der Frage nach, ob wir als Gamer wirklich sexuelle Gewalt und Erniedrigungen von Frauen in Videospielen wollen.

Das Leben ist ein Po(r)nyhof

„Oh ja, weiter so, du hast es drauf. Ich bin nicht unsicher, aber sag mir, wie gut ich im Bett bin! Sag mir, ich bin der Beste! Du bist unglaublich, dafür solltest du bezahlt werden!“ Und jetzt noch einmal in der Doggy-Stellung, dann haben wir den Höhepunkt erreicht – was hier wie ein schlechter Amateur-Porno klingt, trägt sich in Wirklichkeit in dem Videospiel Grand Theft Auto zu. GTA ist bekannt für Morde, Drogen, Nutten und Sex. Über 220 Millionen Mal ist die GTA-Reihe über die Ladentheke gegangen. Treiben sexuelle Akte, gar sexuelle Gewalt oder die Diskriminierung von Frauen die Verkaufszahlen eines Videospiels hoch?

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Nein! Grund ist nicht der kostenlose Sex, sondern das Gefühl von Freiheit, Unabhängigkeit und Vielfalt wie in einem interaktiven Blockbuster. Als hartgesottener, notgeiler Krimineller geht es ab auf die Straßen: Ein Bier zischen, ein paar Leute killen, Autos crashen und nebenbei noch willige Bräute abschleppen. Wäre ganz schön stumpf, wenn das alles wäre oder? Diese „perversen“, „brutalen“ und „gestörten“ Inhalte dienen aber nicht als billige, geschmacklose Einbringung – diese Dinge machen das ganze Spiel erst authentisch und spielbar.

Im Grunde dienen sexuelle Inhalte und sexuelle Gewalt nicht immer als billiger Schockeffekt, sondern machen tatsächlich Sinn, um Handlungsstränge zu untermalen, eine Story fortführen zu können oder auf die reale Welt, so wie sie tatsächlich ist, hinzuweisen.

Das Leben ist ein Po(r)nyhof, als Verbrecher erfährst du die knallharte Wahrheit am eigenen Leibe. Du musst überleben, deine Auftraggeber zufriedenstellen, soziale Kontakte knüpfen, Geld verdienen, um deine Miete zu bezahlen, dir ein Auto leisten zu können, geschweige denn zu essen, trinken und zu schlafen. Das ist das knallharte Leben, nur dass wir auch die Schattenseiten erleben und in einen Bereich gehen, den wir in der realen Welt ethisch nicht vertreten können, der aber existiert. Im Grunde dienen sexuelle Inhalte und sexuelle Gewalt nicht immer als billiger Schockeffekt, sondern machen tatsächlich Sinn, um Handlungsstränge zu untermalen, eine Story fortführen zu können oder auf die reale Welt, so wie sie tatsächlich ist, hinzuweisen.

Insbesondere Adventure- und Survival-Games streifen oft die untere Gürtellinie: In dem Survival-Game The Last of Us wird die 14-jährige Ellie brutal von einem Angreifer Mitte 40 gewürgt, bestiegen und mit den Worten „Flehe so viel du willst. Du denkst du kennst mich? Du hast keine Ahnung zu was ich fähig bin.“ bedroht. Das löst die pure Schockstarre in einem aus, man versteinert und ist machtlos. Ellie rettet sich im letzten Moment und sticht auf ihren Angreifer wie eine Wahnsinnige ganze 1, 2, 3…10 Mal ein. Gehen Entwickler hier zu weit? Macht es den Spielenden zu einem potenziellen Vergewaltiger? Diese Art mit der Psyche des Menschen zu spielen ist ein beliebtes Mittel, um eine engere Bindung zum Protagonisten aufzubauen, die Situation zu verstehen und zu dem Game eine neue, emotionale Ebene zu schaffen.

Vergewaltigungen in Videospielen

Als Frau empfinden wir unterschiedliche Stufen von Mitleid. Während bei Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen unser Hass auf den Täter und unser Beschützerinstinkt gegenüber dem Opfer geweckt wird (The Last of Us), identifizieren wir uns umso stärker mit Frauen in unserem Alter, wenn diese Opfer von Gewalt- und Sexualverbrechen werden. Laut Statistik (2014) macht die Altersgruppe von Heranwachsenden (21-60 Jahre) 54,7% der Sexualopfer in Deutschland aus. Umso härter ist eine Szene aus Tomb Raider zu ertragen. Der angehende Peiniger der 21-jährigen Lara Croft drückt die hilflose Frau an einen Holzstamm, berührt sie unsittlich und flüstert ihr ins Ohr: „Du siehst so gut aus, du erinnerst mich an meine Schwester. Sie war auch eine Schlampe. Spielst du mit mir Fangen und Verstecken, Baby?“. Weitere Grabsch-Attacken muss der Spieler nach diesen widerlichen Worten auf dem Controller abwehren, bis es zu einem Gerangel kommt und wir die Möglichkeit haben, den Widerling zu erschießen.

Billiger Schockeffekt oder gutes Stilmittel? Als Frau beschämt einen diese Szene, wir empfinden sie nach und wir schlüpfen in die Rolle der Lara Croft. Was aber hat eine Archäologin auf einer Expedition in einer Vergewaltigungsszene zu suchen? Das erleben wir im Pendant Uncharted – das Action-Adventure mit Nolan North (Pretty Little Liars) in der Hauptrolle – auch nicht, außer dass eine toughe Dame dem Schatzsucher Nathan Drake in seinem letzten Abenteuer die Hosen auszieht – metaphorisch gesprochen poliert sie ihm nur die Fresse.

Mein Name ist Phylicia Whitney, Spitzname Flitzi.
Ich bin professionelle Video-Journalistin und Moderatorin für TV & Web und Autorin für Online und Print. Momentan bin ich bei UFA Serial Drama in der Redaktion und Produktion bei Alles was zählt und Unter Uns tätig und arbeite seit 2013 regelmäßig als Freelancerin, unter anderem für das Sat.1 Frühstücksfernsehen, RTL Punkt 12, RTL interactive, RTL II News, CHIP, Gameswelt und AppDeals.de – vor und hinter der Kamera. Meine Schwerpunkte sind Games, Neue Medien, Digitale Trends und Social Media.

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