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In der Kürze liegt die Würze
Diesen Leitspruch wird sich wahrscheinlich ein jeder bei Electronic Arts, der bei der Kampagne mitgearbeitet hat, als sein Credo gepriesen haben. In den insgesamt zwei Feldzügen, die auf Seiten der guten und bösen Streitmächte verteilt sind, tritt der Spieler in jeweils acht Missionen an, um die fiktive Geschichte um die Kämpfe im Norden fort zu führen.
Dabei kämpft man an Orten wie Bruchtal, im Auenland oder gar um Dol Guldur. Nach den beiden spielbaren Tutorials und einer Video-Einführung stürzt man sich mit den Orks und den neuen Helden wie Saurons Mund oder dem Orkkönig in die Böse Kampagne. Doch ehe man wirklich in der Handlung versunken ist und sich wieder in Mittelerde heimisch füllt, ist die Kampagne auch schon vorbei. Nicht anders beim guten Feldzug, denn um mit Elben und Zwergen u.a. mit den Helden Elrond, Arwen oder dem Zwergenkönig Dain Dol Guldur zu Fall zu bringen, bedarf es nicht gerade mehrerer Wochenenden.
So werden professionelle Zocker sehr schnell an einem Wochenende die Missionen geschafft haben und lediglich der höchste Schwierigkeitsgrad dürfte eine Herausforderung darstellen, aber dennoch werden selbst Gelegenheitsspieler nicht die nächsten Wochen an den Missionen verweilen. Positiv sind jedoch eindeutig die Videosequenzen, die wie ein roter Faden die einzelnen Missionen miteinander verknüpfen, denn diese erzeugen gemeinsam mit den Zeichnungen von John Howe, der unter anderem einer der bekanntesten Tolkien Illustratoren und selbst wichtiger Art Designer bei der erfolgreichen Verfilmung war, eine dichte Atmosphäre, die Lust auf mehr gemacht hätte.
Der Ringkrieg
Als kleinen Trost aufgrund der kurzen Kampagne hat EA jedoch noch etwas in Petto, nämlich einen weiteren Modus. Im so genannten Ringkrieg-Modus liegt es euch offen den gesamten Krieg, so wie er im Buche am Rande beschrieben steht, frei nachzuspielen. Dieser Modus präsentiert sich zunächst in einem in 38 Provinzen aufgeteiltes, brettspeilähnliches Konzept, welches dem von Risiko oder Rome – Total War am nächsten käme. Mit einem Blick über gesamt Mittelerde auf dem Spielbrett geben sie auf der “Living World“ Gebäude in Auftrag und erschaffen neue Einheiten. Nur Armeen mit einem Helden können andere Provinzen attackieren und erobern, Armeen ohne Helden dienen lediglich der Verteidigung und können somit nur in eigene oder befreundete Provinzen bewegt werden.
Begegnen sich jedoch zwei befeindete Armeen, so geht es in die Kampfphase. Allerdings entpuppen sich diese gerade zu Beginn nicht gerade als herausfordernd. Die beste Strategie ist sofort zu Anfang mit seinen Einheiten zu der gegnerischen Festung zu stürmen und dort möglichst viel Schaden anzurichten. Mit ein wenig Geschick ist der Kampf dann auch schon nach wenigen Minuten gewonnen und eine neue Runde beginnt auf dem großen Taktikbrett "Mittelerde". Wer nach den vielen Kämpfen dann mal keine Lust mehr verspürt die ständig wiederholenden Schlachten zu starten, der darf selbstverständlich auch das gesamte Kampfgeschehen simulieren.
Dies empfiehlt sich allerdings nur, wenn der Gegner in Unterzahl ist, da die eigene Unterzahl meist nur durch Eingriff des Spielers noch gedreht werden kann. Im Gegensatz zur Solokampagne zieht hier der Schwierigkeitsgrad ordentlich an. Die K.I. rushed was das Zeug hält und man hat alle Hände voll zu tun, um die Echtzeitschlachten doch noch siegreich zu beenden. Im rundenbasierten Teil auf der Living World Map verhält sich die K.I. dann allerdings wieder durchschaubarer und versucht meist auf kürzestem Weg nach vorn zu attackieren. So bleibt der Ringkrieg-Modus zwar eine nette neue Sache, ist aber gegen den Computer taktisch zu simpel und die (unvermeidlichen) Echtzeitgefechte werden schnell zur lästigen Pflicht.
In Gefechten werden wir uns messen
Zu guter Letzt bietet SuM II noch den handelsüblichen Gefechtsmodus, der allerdings in allen RTS Spielen zum Standard gehören sollte. Auf zuvor ausgewählten Karten und einigen pro forma eingestellten Regeln, sucht man sich eine von sechs unterschiedlichen Parteien aus. Jede hat selbstverständlich ihre Stärken und Schwächen. Gefährlich sind natürlich die gegnerischen Helden, denn diese können ganze Armeen teils blockieren. Zudem ist die Anzahl der Helden je Fraktion völlig unterschiedlich und unausgewogen. Während die Zwerge mit gerade mal drei Helden daher kommen dürfen, können im Lager von Mordor, der Menschen und den Elben jeweils sieben Helden gerufen werden. Isengart kommt zumindest auf vier und die Goblins ebenfalls auf drei, jedoch mit einem fliegendem Drachen als Helden.
Und doch: Gerade der Gefechtsmodus macht die stärken des Programms deutlich. Im Gegensatz zur Demo, welche kurz vor dem Release erschien, ist die Vollversion wesentlich balancierter als zu erwarten war.
Und auch die absolut dichte Atmosphäre, die große Auswahl der Einheiten und die Möglichkeit der Massenschlachten (die Kommandopunkte lassen sich nun extrem hoch schalten) verleihen dem Spiel einen durchweg positiven Eindruck.
Zwar ist zu bemängeln, dass einige der Gebäude besonders in der Anfangsphase selbst von den schwächsten Einheiten zu Asche verarbeitet werden können und die CPU außer intensives vorpreschen kaum andere Taktiken kennt, doch trübt dies unter dem Strich nicht den guten Gesamteindruck.
Schöne Welten
Grafisch und optisch gibt es kaum etwas auszusetzen, denn gerade hier beweist Electronic Arts wieder, was ein Studio mit der richtigen Rückendeckung zu leisten vermag. Vorneweg ist die Musik aus der bekannten Filmtrilogie wieder mit von der Partie, die sich nebst einigen selbst komponierten Stücken gut ergänzen und qualitativ kaum Unterschiede vorweisen. Wie schon beschrieben ist die Atmosphäre des Spiels einfach prächtig.
Immer dann, wenn Nazguls ihr markerschütterndes Geschrei hören lassen und Menschen wimmern, sobald imposante Drachen über die Lande fliegen oder Ents, Trolle oder Riesen mit Händen und Füßen halbe Armeen in Schach halten, dann bleibt kein Auge Trocken.
Mehrspieler – Mehr Spaß
So ungefähr könnte die Beziehung ausschauen. Wo die Duelle gegen den Computer meist ähnlich ablaufen, da dieser häufig nur vorprescht, werden Gefechte gegen menschliche Streiter gleich einiges abwechslungsreicher. Dies gilt nicht nur für eine individuelle Schlacht, sondern gleich auch für den Ringkrieg-Modus, der gerade mit mehreren menschlichen Gegnern (am besten sechs, wobei auf jeden Spieler eine Fraktion kommt) über Tage Spaß machen kann, da die Züge der CPU doch sehr durchsichtig erscheinen.
Ein ganz dickes Lob muss man allerdings noch mal für die beiliegenden Karten, die im Spiel enthalten sind, aussprechen, denn derartig gute Mehrspielerkarten hat man selten gesehen. So wird nicht nur auf beliebigen Schlachtfeldern gekämpft, sondern nach Wahl auch die Schlacht bei Helms Klamm, Minas Tirith, Auenland oder am Turm von Ortanc nachgestellt. Endlich muss man nicht mehr nach von Fans erstellten Karten im Internet und auf Fanseiten suchen.
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