Spec Ops: The Line
Spec Ops: The Line
Das erste Spiel, bei dem ihr euch schlecht fühlen sollt!
30.07.12 um 20:26 von Stefan
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Blockbuster-Games des Top-Kalibers AAA aus Deutschland sind selten. Jetzt ist Yager Development am Drücker, nachdem es bislang vor allem das Studio Crytek war, das zuerst mit Far Cry und dann mit der Crysis-Serie unter Beweis stellte, dass hochkarätige Produktionen mit Multi-Millionen-Dollar-Budgets durchaus in Deutschland entwickelt werden und auch qualitativ ganz oben und auf internationalem Niveau mitspielen können.
Als 2K Games 2009 den überraschenden Trailer zu einer neuen Shooter-Marke mit dem Namen Spec Ops: The Line zeigte, waren viele Gamer zunächst begeistert, doch vom Entwickler Yager Development hatten zuvor wohl nur wenige gehört. Das in Berlin ansässige Studio hatte 2003 den Action-Titel Yager für die Xbox veröffentlicht, danach wurde es jedoch still um die Truppe. Dank Spec Ops: The Line hat sich Yager Development international aber nun endgültig einen Namen gemacht. Weshalb der Shooter und Überraschungshit aus Deutschland beeindruckt und Lob verdient, verraten wir euch gerne in unserem Test.

Sandkörner in jeder Ritze und Pore
Der geschichtliche Hintergrund von Spec Ops: The Line klingt zunächst wenig gefährlich für eine geübte Soldaten-Truppe: Sechs Monate vor dem hier und jetzt ist ein riesiger Sandsturm über Dubai eingefallen und hat weite Teile der Stadt zerstört und unter Sand begraben.
Dabei verschwand auch eine Militär-Einheit, die die Evakuierung der Stadt unterstützen sollte. Da kein Kontakt mehr zu der verschollenen Einheit besteht, wird das Team des Spielers nach Dubai geschickt, um das erste Team zu suchen und aus dem überdimensionierten Sandkasten rauszuholen. Dass dieser Auftrag nicht so einfach bleibt, wie er sich zunächst anhört, versteht sich von selbst und eine spannende und packende Geschichte rund um Wahnsinn, Grauen und moralischen Zwickmühlen kommt ins Rollen, die mit einem genialen und unerwarteten Finale endet, das gehörig Eindruck beim Spieler hinterlässt. Eines der bemerkenswertesten Enden übrigens, an die wir uns in den letzten Jahren erinnern können.

Bei Spec Ops: The Line handelt es sich um einen deckungsbasierten 3rd-Person-Shooter. Das Team von Captain Walker, in dessen Rolle der Spieler schlüpft, schießt sich von Deckung zu Deckung und von einem verwüsteten Wolkenkratzer in Dubai zum nächsten. Dank Unreal Engine 3 sieht das vom Wüstensand überzogene Dubai einfach imposant aus und das Leveldesign überzeugt mit wunderschön designten Hotels und anderen Umgebungen, die den unglaublichen Prunk vor dem Sandsturm repräsentieren, dann aber wieder zu grausamen Schauplätzen voller Leichen wechseln. Stellenweise sind die Level leider etwas spärlich ausgestattet und nur Teile des Level-Inventars sind zerstörbar oder physikalisch beeinflussbar. Zudem hat die Engine zwischendurch mit kleinen Slowdowns zu kämpfen oder es laden immer mal Detail-Texturen zu lange nach und poppen auf, so dass die Präsentation mit dem simulierten Sand und den überzeugenden Animationen zwar auf einem guten Niveau ist, allerdings nicht ganz in der Grafik-Königsklasse mitspielen kann.

Die Steuerung ähnelt dem bekannten Schema für 3rd-Person-Shooter und so zielt ihr über die Schultertaste und die Kamera zoomt über die Schulter eures Charakters, ihr betätigt mit der Schultertaste auf der gegenüberliegenden Seite den Abzug und geht mit den Controller-Buttons hinter Objekten in Deckung, springt über diese hinweg, wechselt eure Waffe oder ladet diese nach. Ganz perfekt ist das Deckungssystem allerdings nicht, ab und an braucht es nämlich zwei oder drei Anläufe bis man hinter dem gewünschten Objekt Platz nimmt. Da man auch keine Granaten zurückwerfen kann, kommt man sehr oft in Bedrängnis, rechtzeitig die Deckung zu verlassen, weil man in einem bestimmten Winkel weglaufen oder den entsprechenden Button drücken muss. Vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden und dem Granatenregen, dem ihr dort ausgesetzt werdet, ist das Ganze sehr frustrierend. Dieses Problem hätte das Team von Yager ganz einfach durch die Implementierung einer Ausweich-Rolle auf Knopfdruck beseitigen können. Das Aufstehen aus der Deckung dauert einem meist auch zu lange, also betätigt man den Button gerne zu oft und Captain Walker geht erneut in Deckung oder steht auf, wenn er es gerade nicht soll.

Taktik im Hosentaschenformat
Ein taktisches Element wird durch ein ziemlich rudimentäres System geboten, mit dem ihr eure Kameraden anweisen könnt. So dürft ihr über eine weitere Schultertaste Markierungen von Feinden vornehmen, die dann von euren Kameraden aufs Korn genommen oder lautlos ausgeschaltet werden. Damit könnt ihr das Feuer auf einen Gegner konzentrieren oder selbst aus brenzligen Situationen verschwinden. In gewissen Situationen könnt ihr auch Glasfronten oder -Dächer zusammenschießen und die Gegner durch die hereinströmende Sandlawine ausschalten.
Etwas nervig sind die vergleichsweise oft auftretenden On-Rail-Passagen oder jene Abschnitte, in denen ihr die Stellung halten müsst, um euren Team-Mitgliedern Feuerschutz zu geben. Von diesen Elementen wie auch von Script-Events macht Yager stellenweise sehr ausgiebig Gebrauch, was noch mehr spielerische Abwechslung vermissen lässt, denn ein Spiel wie Spec Ops: The Line ist durch seine genetische Veranlagung (nämlich dem Genre) als deckungsbasierter Shooter ohnehin nicht übermäßig facettenreich.
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 Facts
Name: Spec Ops: The Line
Aktuell betrachtet:
Von uns getestet für:
Hersteller: YAGER Development/2K Games
Genre: Action
Spieler: 1-8 (online)
HDTV bis zu: 1080p
Xbox Live: Onlinespiele/Ranglisten/Content-Download
Altersfreigabe: Ohne Jugendfreigabe gemäß §14 JuSchG
Sprache/Texte: Englisch/Deutsch
Geeignet für: Action-Gamer, die ihre Psyche ergründen wollen.
Release:29.06.12
 Pro + Cons
 PRO:
+ Surreales Dubai-unter-Sand-Setting
+ Spürbare Charakter-Entwicklungen
+ Überraschendes Ende
+ Krachende Inszenierung
+ Zeigt Auswirkungen extremer Situationen
+ Zwing Spieler in zwiespältige Situationen
+ Denkanstöße
+ Töten soll ausnahmsweise keinen Spaß machen
+ Gut funktionierende Action
+ Anspruchsvoll (höhere Schwierigkeitsgrade)
+ Stellenweise beeindruckendes Leveldesign
+ Gegensatz von Prunk und Grauen
+ Tolle Umsetzung des Sandes
+ Faire Checkpoints
+ Toller Soundtrack
 CONTRA:
- Keine Aktion für Ausweichrolle vorhanden
- Ab und an komische Aktionen der K.I.
- Granaten regnen förmlich vom Himmel
- On-Rail-Passagen
- Nur Teile des Inventars zerstörbar
- Deckungssystem mit Tücken
- Technische Schwächen
- Ladezeiten
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