Anzahl der Bewertungen: 0

Mit der Guitar Hero-Serie hat sich Activision in den letzten Jahren eine goldene Nase verdient und das rhythmische Knöpfe-auf-einer-Plastikgitarre-Drücken so populär gemacht, dass man sogar Heidi Klum für einen sexy Werbespot gewinnen konnte. Doch nachdem nun schon der fünfte Teil der Guitar Hero-Serie auf dem Markt ist, sind die Anhänger mittlerweile ein wenig gelangweilt. Also dachte sich Activision, dass man einfach in einen anderen Musiksektor vordringen könnte, damit die Spieler hier ihr hart verdientes Geld loswerden.
Blockflöten Hero schien nicht unbedingt erste Wahl zu sein und so machte man sich mit FreeStyleGames an die Entwicklung von DJ Hero, welches ein ähnliches Spielprinzip besitzt, jedoch mit einem Turntable-Controller gespielt wird und sich musikalisch mehr in der Hip Hop- und Elektro-Szene bewegt.
Wir haben uns vor den künstlichen Turntable gestellt und verraten euch im Test der PS3- und Xbox 360-Version, ob ihr uns bald in angesagten Clubs und auf MTV auflegen seht oder ob DJ Hero nicht nur vom Scratching unter einigen Macken leidet.
Schicker Turntable inklusive
Blickfänger des Spiels ist natürlich die Turntable-Peripherie, ohne die das Spiel überhaupt nicht spielbar ist. Zum Glück benötigt man aber zum Agieren in Menüs keinen zweiten Controller, sondern findet auf dem zweiteiligen Zubehör, bei dem sich beide Teile auch voneinander trennen lassen, alle Standardbuttons (PS3 oder Xbox 360), die sich bei Nichtbenutzung lobenswerterweise auch unter einer Klappe verstecken lassen. Auf dem gleichen Teilstück befinden sich zudem ein kleiner Drehknopf zur Verzerrung des Sounds, ein Euphorie-Button (Äquivalent zur Starpower) sowie ein Crossfader-Regler, der in drei Stufen bewegt werden kann. Das zweite Teilstück des Turntable-Controllers besteht dann aus dem drehbaren Plattenteller, auf dem die drei farbigen Buttons zu finden sind, die ihr am häufigsten nutzten werdet.
Die Verarbeitung des Geräts ist ziemlich gut und das schmucke Stück macht sogar einen relativ edlen Eindruck, bei einem schnellen Blick könnte man sogar an einen echten Plattenspieler mit Reglern denken. Noch edler kommt allerdings die Renegade Edition des Spiels daher, die neben einem Koffer auch einen Klapptisch für den Turntable besitzt, der in dieser Edition sogar eine schicke Klavierlack-Oberfläche mit goldener Verzierung bietet.
Scratching, Fading, Rewinds und mehr Effekte
Die Spielmechanik ist einfach und vergleichbar mit dem großen Bruder Guitar Hero. Auf dem Bildschirm seht ihr das dieses Mal leicht gekrümmte Notenband (Rand einer Scheiber eben) mit drei Spuren, auf denen verschiedenfarbige Spots laufen, während im Hintergrund die DJ-Charaktere bei Diskolicht an ihrem Mischpult stehen, von einer tanzenden Menschenmasse angefeuert werden und ihr auf dem Turntable-Controller im richtigen Moment den Button mit der passenden Farbe betätigen müsst, wenn der jeweilige Spot auf dem Notenband die Markierung am unteren Bildschirmrand trifft. Bei längeren Spots müsst ihr den richtigen Button gedrückt halten und mit dem Turntable scratchen, indem ihr den Plattenteller einfach in die Richtung bewegt, die euch die Pfeile in den Spots anzeigen. Leider lässt euch das Spiel hier nicht wirklich selber scratchen, denn der Sound ist im Grunde nur vordefiniert. Einen persönlichen Touch erhält das Ganze durch die Verzerrungseffekte, die ihr an gekennzeichneten Stellen über den Drehknopf auslösen könnt. Es gibt kein "Richtig" oder "Falsch", ihr erhöht jedoch kurzzeitig den Multiplikator.
Als kleine Tücken erweisen sich die Crossfader-Effekte bzw. die Crossfader-Spitzen. Im Verlauf eines Musikmixes brechen die linken und rechten Spuren zeitweise aus und ihr müsst den Crossfader-Regler auf die entsprechende Seite bewegen und am Ende des Abschnitts wieder in die neutrale Stellung oder sogar direkt auf die gegenüberliegende Seite. Ähnlich verhält es sich mit den Crossfader-Spitzen, allerdings bestehen diese Spur-Ausbrüche wirklich nur aus kleinen Spitzen und dementsprechend müsst ihr den Regler blitzschnell in die entsprechende Richtung und zurück ziehen, um erfolgreich zu sein.
Beachten solltet ihr zudem die Euphorie-Abschnitte, die ihr an einem krassen Leuchten des Notenbands erkennt. Spielt ihr in diesen kurzen Abschnitten fehlerfrei, bekommt ihr Euphorie und der Euphorie-Knopf auf eurem Turntable-Controller leuchtet rot auf. Mittels Euphorie könnt ihr temporär ebenfalls euren Multiplikator erhöhen und so noch mehr Punkte einsacken. Ähnlich funktionieren die Rewinds, die ebenfalls kurzzeitig euren Multiplikator erhöhen und euch die letzten Sekunden nochmal spielen lassen. Um Rewinds zu aktivieren, müsst ihr zunächst ein ziemlich langes Stück fehlerfrei spielen (nicht auf einen Bereich beschränkt wie bei Euphorie), dann leuchtet das Rewind-Symbol auf dem Bildschirm auf. Auslösen könnt ihr den Rewind wann ihr wollt, denn ihr müsst dafür einfach nur den Plattenteller des Turntable-Controllers komplett zurückdrehen, was also im Grunde nichts anderes als ein Zurückspulen ist. Ihr dürft dann die letzten Sekunden erneut angehen, dann aber mit einem erhöhten Multiplikator. Daneben lassen sich an bestimmten Stellen zuvor ausgewählte Samples abspielen, was euch aber keinen Punktevorteil bringt.
Aller Anfang ist schwer
DJ Hero liegt allerdings nicht in der fünften Auflage vor, so dass der Controller noch kleine Macken aufweist, die das Spielen nicht ganz so einfach machen, wie es hätte sein können. Wie im Vorfeld von echten DJs zu hören war (abgesehen davon, dass das Spiel wenig mit echtem Auflegen zu tun hat), ist der Widerstand des Plattentellers angeblich viel zu groß, was wir als DJ-Leihen natürlich nicht wirklich überprüfen können, wollen dem Entwickler FreeStyleGames aber mal unterstellen, dass dies der Spielbarkeit und dem Spaß dient.
Ein anderer Punkt, der hin und wieder etwas stört, ist die Erkennung der Spieleraktionen. Bei kurzen Scratches muss man schon sehr genau den Richtungen folgen und ein enorm gutes Timing besitzen, während bei längeren Scratches echte Ausdauer gefragt ist und zum einen der Button durchgängig ganz deutlich und kräftig gedrückt und gehalten werden muss, damit der Controller keinen Aussetzer registriert und als Resultat unser Combo unterbrochen wird.
Des Weiteren kann der Schieberegler für die Crossfades ein paar Nerven kosten, da der Einrastmechanismus für die neutrale Stellung des Reglers ziemlich weich ist und man im Eifer des Gefechts schnell mal den Regler einen Tick zu weit schiebt, woraus das Spiel dann einen Fehler macht, was wiederum zu Lasten unseres Combos geht.
Echte DJs können in Sachen Authentizität sicher nur lachen und man könnte glauben, dass DJ Hero eine Menge Kenntnis bedarf, doch als Leihe und 08/15-Spieler, der Spaß daran hat, sich mal beim Auflegen zu versuchen, kann man durchaus mit jeder Menge Spaß auf dem Schwierigkeitsgrad "Mittel" erfolgreich sein, auf "Schwer" und darüber hinaus steigt der Schwierigkeitsgrad jedoch an wie eine Rakete und es wird ungeheuer anspruchsvoll.
Der Turntable-Controller erfüllt bei dem Ganzen zwar seine Aufgabe, wirkt aber nicht so wirklich wie ein echtes Instrument (wie es beispielsweise bei den Gitarren der Genre-Kollegen der Fall ist), sondern mehr wie ein Schweizer Armee-Messer: Für jede Situation das richtige Werkzeug. Man sollte dabei jedoch nicht vergessen, dass man ein Videospiel vor sich hat und dafür ist der Turntable-Controller dann doch wieder ziemlich gut geeignet, auch wenn es noch die genannten Macken gibt, die es zu verbessern gilt.
Du musst in My GP eingeloggt sein, um Comments eintragen zu können.