Machinarium
Machinarium
Und Roboter empfinden doch Liebe! Hier der unterhaltsame Beweis!
05.11.09 um 01:43 von Thomas
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Bisher dürfte Amanita Design als Spieleentwickler weniger bekannt sein. Tatsächlich jedoch gelang es ihnen mit Titeln wie Samorest und natürlich Samorest 2 die Herzen vieler Browsergame-Liebhaber und Adventure-Fans höher schlagen zu lassen und schnell wurde der einstige Geheimtipp durch reine Mundpropaganda immer bekannter.

Durch den Erfolg beeindruckt, vertrieb Daedalic Entertainment (selbst bekannt durch Adventure-Hits wie "Edna bricht aus" oder "The Whispered World") gleich die nächste Adventure-Hoffnung des tschechischen Independent-Studios und vergrößerte das Team des kreativen Projektleiters Jakub Dvorský um sechs weitere Mitarbeiter. Das dabei entstandene Adventure schafft es geschickt, den Charme der vorherigen Browserspiele beizubehalten und zugleich eine Geschichte zu erzählen, die abermals einzigartig erscheint, einen selbstironischen Spielwitz besitzt und zudem in seiner Gesamtheit ästhetisch fein abgestimmt wirkt. Bereits vor der Veröffentlichung wurde Amanita Design daher mit dem Preis des Independent Games Festivals 2009 für herausragende Grafik ausgezeichnet. Die Vorschusslorbeeren und die Erwartungen könnten also bei diesem kleinen Adventure nicht höher sein.
Die Rede ist hier von Machinarium, einem potentiellen Independent-Kleinod, dass sich mutwillig und ohne Scheu unserem harten Testlabor stellte, um anschließend vielleicht als kleiner Feingeist ins Konzert der großen Adventure-Titel aufgenommen zu werden. Wir verraten, ob dies gelungen ist.

Einstieg, Selbstfindung und nichts als Probleme
Zu Beginn fangen die meisten Geschichten mit der Einführung an, die den jeweiligen Helden und dessen miserable Situation zunächst ausführlich beschreibt, doch nicht so bei Machinarium. Erzählerisch eher dem Stile einer Kurzgeschichte angelehnt, beginnt alles ganz spontan vor der Kulisse einer Müllkippe, wo der Held - der kleine Roboter Josef - in mehreren Teilen verstreut herumliegt und sich zunächst mal wortwörtlich einer Selbstfindung unterziehen muss, da Arme und Beine noch gefunden werden müssen. Dies alles gehört zu dem Konzept des Gesamtwerk, denn bereits hier muss auch der Spieler zum Spiel finden und bekommt so Schritt für Schritt die Bedienung seines neuen Alter Egos beigebracht.
Mit Anfangs recht einfachen Rätseln lernen wir die Steuerung und die Möglichkeiten des Akteurs besser kennen. Josef ist nämlich nicht starr, sondern kann seinen Körper begrenzt in die Länge ziehen oder stauchen, um auf diese Weise an bestimmte Gegenstände oder Knöpfe zu kommen. Auch lässt sich seine Agilität zur Bewältigung mancher Rätsel nutzen, doch an dieser Stelle soll nicht Zuviel vorweggenommen werden, um euch den Spielspaß nicht zu ruinieren.
Hat man sich durch die ersten Logik- und Kombinationsaufgaben getüftelt, so wird in animierten Sprechblasen (völlig ohne Sprachausgabe) die Hintergrundgeschichte näher gebracht, so dass sich der Plot erst Stück für Stück offenbart und die Überraschungen bis zum Ende nicht ausbleiben. Nur so viel zur Geschichte: Josef, unser kleiner Roboterheld, lebt auf einem fernen Maschinenplaneten und findet sich in Einzelteilen auf dem Schrottplatz außerhalb seiner Stadt Machinarium City wieder. Im Laufe der Zeit kommt er jedoch einer Verschwörung auf die Spur und muss einen geplanten Bombenanschlag der bösen Bruderschaft verhindern und nebenbei auch noch eine große Roboterliebe aus den Verließ befreien.

Retrostil, Huldigung und Klassik
Wem die Geschichte etwas gewöhnlich vorkommt, der mag damit wirklich Recht haben, denn schließlich hat man so etwas schon unendlich oft gehört, doch beweist Machinarium, dass ein Ganzes mehr ist als die Summe seiner Teile, mehr als ein lebloser Roboter, der nur aus seinen Bestandteilen besteht. Machinarium entwickelt schon im frühen Stadium so etwas wie "Leben".
Bereits die schön gezeichnete Grafik und die etwas ruckartige und slapstick-artige Bewegung des Protagonisten machen ihn sympathisch, wenn er sich dann noch wie ein Akkordeon streckt und biegt, um seine Umwelt zu manipulieren oder in stillen Momenten (wenn man einfach mal einige Sekunden nichts macht) in Gedanken versunken an die schönen Momente mit seinem Robotermädel im Öl-Bad denkt, dann sind wahre Gefühle zwischen Robotern teils greifbar nahe. Aber auch durch den Effekt, dass Interaktionspunkte für den Cursor nur sichtbar werden, wenn Josef sich in deren Nähe befindet, unterstreicht umso mehr, wie sehr sich der Spieler selbst als Josef in dieser unsicheren, wie in einem Werke Kafkas verwobenen, Welt zurecht finden muss und das nicht nur mit einer Figur, sondern fast schon als Josef selbst.
In vielen Momenten vibriert auch Machinarium selbst förmlich vor Leben und es ist dem Spieler beim Lösen der Rätsel teils zum Weinen und des Öfteren wieder zum Lachen zumute, doch unterstützt durch die ebenso passende Elektromusik niemals, ohne die Schwere des Seins in dieser Maschinenwelt zu vergessen. Verwurzelt in dieser Welt, werden viele Adventure-Freunde und Retro-Fans auch die eine oder andere Anspielung alter Tage finden, wie dem Ort der Spielhalle, wo Aufgaben wie Space Invaders dazu auffordern, gelöst zu werden, um Josef seinem Ziel einen Schritt näher zu bringen. Das Schöne daran ist, dass die Probleme so natürlich erscheinen und sich überwiegend durch rein logisches Verhalten lösen lassen.

Spieldauer und häufige Logikrätsel
Bei aller Begeisterung für das Leben und die Freude, die Machinarium in mir weckt, gibt es jedoch auch einige leicht ärgerliche, ja sogar frustrierende Momente im Verlauf von Josefs Rettungsaktion. So ist es betrüblich, dass im Spielverlauf einige Logikrätsel das Weiterkommen erschweren, bei denen an Maschinen gewisse Schalter bedient werden oder an einem Brettspiel Gegner besiegt werden müssen. Kommt man an dieser Stelle nicht voran, so gibt es auch keine Alternative, bei der Josef sinnvollerweise weitermachen könnte. Deshalb steckt man dann in einer Sackgasse, weil das Logikrätsel nicht bewältigt wird. Andererseits: Ist man gut in solchen Aufgaben und schafft eine nach der anderen, so dürfte Machinarium kein sonderlich langes Spielvergnügen darstellen, denn nach circa 5 bis 7 sehr unterhaltsamen Stunden ist das Abenteuer auch schon wieder vorbei und es bleibt lediglich das erneute Durchspielen, wovon man allerdings gar nicht mal so abgeneigt ist. Dennoch ist und bleibt es nur ein kurzer Spaß und kann keinesfalls dauerhaft vor den Bildschirm fesseln, so dass es von Daedalic auch nur fair ist, dieses Produkt für einen etwas günstigeren Preis von 29,99 €uro anzubieten.
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 Facts
Name: Machinarium
Aktuell betrachtet:
Von uns getestet für:
Hersteller: Amanita Design/Daedalic
Genre: Adventure
Spieler: 1
HDTV bis zu: -
Speicher: 400 MB Festplattenspeicher
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung gemäß §14 JuSchG
Sprache/Texte: -/Deutsch
Geeignet für: Adventure-affine Gamer.
Release:27.10.09
 Pro + Cons
 PRO:
+ Liebevoll gezeichnete Grafiken
+ Putzige Animationen
+ Wirklich passender Soundtrack
+ Jederzeit Lösungshilfen über das Menü
+ Sympathischer Held
+ Niedrige Systemanforderungen
 CONTRA:
- Viel zu kurze Spieldauer
- Fast ausschließlich Logikrätsel
- Hin und wieder kleine Frustmomente
- Lösungshilfen nicht immer sinnvoller
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