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Wer kennt sie nicht: Camper!? Gemeint sind natürlich nicht die Darsteller der gleichnamigen TV-Serie oder die friedfertigen Wohnwagenbesitzer von den Campingplätzen, sondern die nervigen Camper, die wohl jeder Shooter-Fan kennt. Stets hocken sie in irgendwelchen Ecken oder Schächten, um ahnungslosen Gegenspielern aus dem Hinterhalt den virtuellen Todesschuss zu verpassen.
In Sniper: Ghost Warrior schlüpft ihr als Scharfschütze die Haut eines schwer wahrnehmbaren Einzelkämpfers, um weit hinter den feindlichen Linien oder mitten in Krisengebieten hohe Offiziere auf ähnliche Weise auszuschalten oder um wichtige Sektoren zu sichern. Teilweise ist enorm langes Warten für das eine Ziel nötig: Den perfekten Schuss.
Obwohl das Scharfschützengewehr in First-Person-Shootern sicher keine Neuerfindung des Rades darstellt, beschäftigt sich dennoch nahezu kein Spiel so explizit mit der Rolle des Präzisionsschützen wie Sniper: Ghost Warrior. City Interactive wagt diesen Schritt und konzentriert sich auf die Meister der Genauigkeit, die im Einsatz offenbar nie unter Langweile leiden. Wir verraten, ob der Schuss nicht nach hinten losging.
Warum auch in die Ferne schweifen?
Das Klischee, First-Person-Shooter würden nicht gerade eine epische Hintergrundgeschichte aufweisen, hat sich oft genug bewahrheitet und einige wenige Ausnahmen bestätigten bekanntlich nur die Regel. Aber schlagen wir doch mal das Buch über den Scharfschützen aus Sniper: Ghost Warrior auf Seite eins und schauen uns an, worum es in dieser Geschichte geht. Im Grunde ist alles aber wieder ganz simpel…
Schauplatz des Geschehens ist die fiktive, etwas an das in Crysis vorhandene Pazifik-Eiland erinnernde, Isla Trueno. Hier macht der Drogenbaron General Vasquez nämlich dreckige Geschäfte mit Terroristen und das ist weitaus mehr als “nur” Kokain. Von wem sonst als von der US-Regierung auf der Insel abgesetzt, soll der Elite-Scharfschütze Tyler Wells den Burschen aufhalten.
Damit erschöpft sich die Handlung von Sniper: Ghost Warrior auch schon wieder und das Buch ist mit diesem letzten Kapitel restlos geschlossen, denn obwohl das Programm seine dünne Geschichte zwar in zahlreichen Zwischensequenzen stilistisch gut erzählt, verzichtet es dabei auf einen roten Faden und lässt seinem mitunter coolen Helden in der ungefähr sechs Stunden umfassenden Kampagne zu wenig Raum, um Tiefe zu entwickeln. Die regelmäßigen Funksprüche zwischen Wells und seiner Auftraggeberin sind zwar sehr gut vertont, beschränken sich aber auf das lapidare Austauschen von Befehlen und Statusmeldungen.
Lautloser Schütze aus dem Hinterhalt
Auch wenn die Story noch so dünn ist, so steckt hinter der Erzählweise schon von Beginn an ein wahres Pulverfass an Spannung. Der Spieler schleicht sich nämlich in der Gestalt des US-Scharfschützen Tyler Wells lautlos durch das Dickicht von Isla Trueno und umgeht dabei zahlreiche schwerbewaffnete Wachen. Schon hier wird deutlich, dass Sniper: Ghost Warrior keineswegs mit wilden Ballereien wie zum Beispiel Serious Sam zu vergleichen ist, sondern den Fokus stark auf das geschickte Ausschalten von Gegnern aus meist großer Entfernung legt.
Während der Schleichpassagen steht der Spieler in stetem Funkkontakt zu unserem Kollegen auf irgendeiner Anhöhe, um strategische Anweisungen zu erhalten. “Bleib unten!“, heißt es plötzlich und Tyler Wells erstarrt vor Spannung während plötzlich eine Patrouille ganz knapp an ihm vorbeimarschiert. Dann kommt der nächste Funkspruch an. “Weiter geht’s!”, erschallt es aus dem Funkgerät und wir haben grünes Licht, um weiter zum Ziel vorzurücken.
Dann mal los, denn schließlich haben wir auch ein Ziel: General Manuel Vasquez – eben jener Mann, der den Inselstaat mit Waffengewalt in das Chaos gestürzt hat und die Bevölkerung terrorisiert. Einige Minuten später sind wir, zusammen mit unserem Aufklärer, auf einer Anhöhe und haben die Hütte des Generals im Blickfeld. Alles ist bereit, um den perfekten Schuss zu platzieren und Tyler Wells sieht die Zielperson in Form des Generals durch ein Fenster. Jetzt müsste es geschehen! Entfernung: Etwa 120 Meter. Windstille. Wir kontrollieren unsere Atmung, zielen auf seinen Kopf und drücken ab. Mit einer Geschwindigkeit von über 850 Meter pro Sekunde verlässt das rund 10 Gramm schwere Projektil den Lauf unseres Gewehres und bahnt sich seinen Weg zur anvisierten Person. Es könnte so einfach sein und dann kommt doch wieder alles anders als geplant. Kurz bevor das Projektil sein Ziel erreicht, explodiert ein Kanister direkt vor der Hütte. General Vasquez wird durch die Druckwelle nach hinten geworfen, die Kugel verfehlt. Ein zweiter Schuss wird aufgrund der dichten Rauchentwicklung mittlerweile unmöglich und die missliche Situation wird eben nur noch dadurch übertroffen, dass die Wachen uns mittlerweile entdeckt haben und nun wir der Gejagte sind. Das wäre ja auch zu einfach gewesen!
Hat der Spieler bis hierher die ersten Minuten von Sniper: Ghost Warrior überstanden, beginnt nun die erneute Hetzjagd auf den General, der am Ende natürlich irgendwie doch noch ins Gras beißen muss. Diese Hetzjagd hat zwar nur einen Umfang von ca. fünf bis sechs Stunden, kann aber dennoch mit hoher Abwechslung aufwarten. Gleichwohl hätte mehr Umfang dem Spiel auch keineswegs geschadet.
Weitere Aufträge und Unzulänglichkeiten
Besondere Spannung erhält das Spiel aber ebenso durch seine Nebenaufträge, in denen der Scharfschütze natürlich keinerlei Aufmerksamkeit auf sich lenken darf. So huscht Tyler beispielsweise nachts durch eine Feindbasis, umschleicht Patrouillen und geht Lagerfeuern aus dem Weg. Soweit so gut, doch wird man entdeckt, so gibt das Programm viel zu wenig Hinweise darauf, wieso man nun gerade eben aufgespürt wurde. Darüber hinaus ist das Leveldesign für derartige Aufträge stellenweise viel zu linear aufgebaut und euch bleibt oft ohnehin nur ein möglicher Weg.
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