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Auch die Unterstützung eures Teams kann dann erforderlich sein und ihr dürft rudimentäre Befehle erteilen, wodurch man etwas mehr taktieren kann. Die künstliche Intelligenz des Teams geht zwar im Großen und Ganzen in Ordnung und das Team kämpft tapfer mit, genau wie bei den Gegner bringt das Mass Effect-Universum aber anscheinend keine Superhirne hervor. Zumindest könnt ihr euer Gefolge meistens einfach in den Kampf schicken und müsst sporadisch mal auf deren Lebensenergie achten, während die jeweiligen Kollegen behäbig die Gegner aufs Korn nehmen. Eure eigene Energie müsst ihr nicht mehr wirklich im Auge behalten, da BioWare auf automatische Regeneration setzt und sich der Bildschirm bei zu viel Schaden rot färbt, wodurch ihr eure sinkende Energie eigentlich nicht übersehen könnt.
Beschnittende und simple Rollenspielelemente
Während das Action-Gameplay also qualitativ zugelegt hat, vereinfachte BioWare die Rollenspielelemente sehr stark. Erledigte Gegner können beispielsweise nicht nach Items durchsucht werden, sondern lassen höchstens mal Munition oder Medigel liegen. Geld erhält man nur für Missionsabschlüsse oder findet dies in Tresoren, die man erst in einem von zwei Mini-Games hacken muss, wobei das Hacken an kein Talent eines Charakters mehr gekoppelt ist und man daher keinen Spezialisten benötigt. Leider gibt es auch kein Inventar mehr, da es schließlich keine Gegenstände zum Sammeln gibt und auch nur die Rüstung von Shepard lässt sich wirklich verändern, so dass ihr durch das Anlegen von gewissen Erweiterungen mehr Schaden anrichten oder mehr Munition tragen könnt. Waffenupgrades muss man in der nachgebauten Normandy durch die auf den Planeten gefundenen Mineralien basteln, doch verbessern die Upgrades meist nur die Attribute der jeweiligen Waffe, echte Modifikationen lassen sich nämlich nicht vornehmen.
Das Levelsystem ist auch sehr simpel und Erfahrungspunkte gibt es nicht für jeden getöteten Gegner, sondern erst nach jeder Mission für deren Abschluss. Für den Levelaufstieg erhaltet ihr Punkte, die auf die Fähigkeiten des Charakters verteilt werden können. Auf diese Weise behält man auf der einen Seite zwar leicht Übersicht über seine Charaktere und verliert sich nicht in tief verzweigten Talentbäumen, auf der anderen Seite bietet die Charakter-Entwicklung für ein Rollenspiel nur wenig Freiheit und Komplexität.
Wirklich nervig sind aber andere Aspekte wie die Galaxiekarte, über die man mit einer Miniatur-Normandy zu den verschiedenen Planeten oder Raumstationen reisen kann. Zwar gibt es dort diverse Nebenmissionen, denen man abseits der Hauptgeschichte nachgehen kann, doch muss man dafür an bestimmten Punkten immer wieder Treibstoff für das Schiff tanken, was nicht nur lästig ist, sondern gleichzeitig auch den Erkundungsdrang des Spielers hemmt. Für Mass Effect 2 verschiebt BioWare den Fokus somit merklich auf die Action-Passagen und macht aus dem Titel mehr Shooter als komplexes Rollenspiel. Schade, denn eigentlich sind die Entwickler für die Spieltiefe ihrer Rollenspiele bekannt, dieses Mal fehlt für Rollerspieler aber einfach das gewisse Etwas, das man von den Spielen aus dem Hause BioWare gewohnt ist.
Was Mass Effect 2 dagegen wie jedes andere BioWare-Spiel auszeichnet, sind die Charaktere, die allesamt eine eigene Hintergrundgeschichte und Charakterschwächen besitzen und so zu unverwechselbaren Figuren werden. Eine ähnliche Tiefe wie die Charaktere bieten im Übrigen auch die Dialoge, die trotz mehrerer Dialog-Möglichkeiten für den Spieler stets absolut natürlich wirken, egal in welche Richtung man die Gespräche treibt und egal für welche aktuelle Handlung man sich entscheidet. Diese Entscheidungen, die der Spieler immer wieder treffen muss, haben sogar sehr weitreichende Folgen und können bis zum Tode anderer Charaktere im Spiel führen, was sich wiederum auf das komplette Universum auswirkt. Die verstorbene Figur ist unwiderruflich aus der Welt, eventuelle Nebenmissionen, die über den jeweiligen Charakter noch zur Verfügung gestanden hätten, sind danach nicht mehr spielbar. So baut der Spieler sogar eine gewisse Bindung zur Geschichte auf, denn man ist sich jederzeit im Klaren darüber, welche Konsequenzen die jeweiligen Entscheidungen nach sich ziehen könnten.
Gut oder Böse? Irgendwo dazwischen!
Des Weiteren wartet Mass Effect 2 auch mit einem tollen "Gut oder Böse"-System auf, das sich durchaus in eine Grauzone bewegen lässt, während man sich bei vergleichbaren Spielen oft nur zwischen schwarz und weiß (also entweder ist man böse oder man ist gut) bewegen kann. An gewissen Stellen ist es beispielsweise möglich, durch Tastendruck des eingeblendeten Buttons Geschehnisse zu unterbrechen, einzugreifen und als Vorbild oder als Abtrünniger hervorzugehen. Solche Gesichtspunkte machen die BioWare-Spiele wirklich einzigartig, fangen den Spieler ein und sorgen für die richtige Wirkung der Geschichtenerzählung.
Wenngleich die Rollenspielelemente auch ziemlich vereinfacht wurden, so bleibt Mass Effect 2 nichtsdestotrotz ein erstklassiges und mitreißendes Erlebnis, das den Spieler dank der coolen Shooter-Action und nicht zuletzt aufgrund der natürlichen Charaktere und Dialogen von Anfang bis Ende in den Bann zieht.
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