Mit Heir to the Throne erscheint in diesen Tagen bereits das dritte Addon zum rundenbasierten Strategiespiel Europa Universalis III. Während Freunde von Europa Universalis III also frohlocken, gehen treue Anhänger des Vorgängers kurz vor der Weihnachtszeit keinesfalls leer aus, denn selbst acht Jahre nach dem Release des zweiten Teils kommt mit For the Glory - A Europa Universalis Game eine von Fans kreierte Entwicklung, die im Kern aus der klassischen Variante des einst im Jahre 2001 veröffentlichten Strategie-Klassikers besteht, jedoch die von den Anhängern erwünschten Änderungen und Features enthält. Dafür hat Paradox Interactive den Fans extra Zugang zum Quellcode gewehrt, aber reichen der Einfluss und die Fan-Features, um auch heute noch die Strategen zu überzeugen?
Strategiespiel Klassiker neu aufgepeppt!
Für all diejenigen, denen der nicht mehr ganz aktuelle Strategietitel kein Begriff ist, beginnen wir mit einer kurzen Auffrischung. Bei Europa Universalis handelt es sich um eine Globalstrategie-Simulation mit stark historischen Elementen, bei denen der Spieler, ähnlich wie in Sid Meiers Civilization, die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Geschicke seiner Nation lenken und in einer Zeitspanne von mehreren hundert Jahren beeinflussen darf.
For the Glory ist aber kein Werk der ursprünglichen Entwickler, sondern stattdessen eine von Fans entwickelte Stand-Alone Erweiterung inklusive einer großen Anzahl von neuen Features, die sich die Fans für das Spiel gewünscht hatten und die sich wirklich sehen lassen können. Auf der nahezu weltumspannenden Strategiekarte darf man als Herrscher von bis zu 180 Nationen in 2020 Provinzen entscheiden bzw. diese entdecken und erobern. Zeitlich spielt sich das Geschehen von der Endphase des Spätmittelalters bis hin zum Beginn der Moderne ab. Langweilig wird es dabei aber nur selten, denn aufgrund der ständig erweiterten AGCEEP-Modifikation, die die Implementierung von über 10.000 historisch realen Ereignissen der Jahre von 1419 bis 1819 mit sich bringt, ist stets für Beschäftigung gesorgt oder ein überraschendes Ereignis birgt neue Situationen und Möglichkeiten, denen sich der Spieler stellen kann, um sich zu beweisen.
So entstehen nämlich je nach Verlauf des Events interessante neue Ausgänge, die der reale Geschichtsverlauf nicht ergeben hatte. Wer es dagegen lieber historisch korrekt mag, der kann dazu auch das Verhalten der K.I.-gesteuerten Nationen bei solchen Events im Optionsmenü einstellen und damit die realen Bedingungen herstellen. Ansonsten bleibt For the Glory den typischen Europa Universalis-Spielelementen treu. Auf der in Provinzen unterteilten Strategiekarte versucht der Spieler mittels Kolonialisierung, Diplomatie oder natürlich auch militärischer Überlegenheit den Einflussbereich zu erweitern und füllt mit Steuern und Handelseinnahmen die Staatskasse auf. Gewinner ist je nach Spielmodus jene Nation, die zu Herrschaftsende die meisten Siegespunkte besitzt oder zuerst eine bestimmte Anzahl an Provinzen eingenommen hat. Zu den spielerischen Neuerungen im Vergleich zum 2001-Klassiker zählen die neuen Arten der Kriegsführung, beispielsweise Religionskriege oder die neue Spezialisten-Einheit (der Privateer), die ausgeprägte Fähigkeiten als Seenavigator mit sich bringt und für andere Länder den casus belli (also einen kriegsauslösenden Grund) darstellt, sollte diese Einheit fremde Grenzen übertreten.
Technisch merklich in die Jahre gekommen
Über die technische Aktualität des Produktes muss man wohl nicht streiten und zwei Meinungen wird es auch kaum geben, denn For the Glory - A Europa Universalis Game rennt dem aktuellen Stand der Technik Lichtjahre hinterher, wenngleich dieser Punkt wohl kaum Priorität bei dem Fan-Projekt hatte. Grafisch merkt man dem Titel dieses Defizit also unweigerlich an und auch die Steuerung ist zwar immer noch recht intuitiv, verlangt aber viel zu viel Micromanagement, so dass Einsteiger erst einmal das lange Tutorial überstehen müssen, um das Ganze genießen zu können.
Dieses lohnt sich jedoch unweigerlich, sofern man die nötige Zeit und Ausdauer mitbringt. Hat man die Steuerung verinnerlicht, darf man sich Mitglied einer treuen Community nennen, die das Spiel mit offizieller Rückendeckung von Paradox Interactive auch bis heute noch (man bedenke erneut, dass For The Glory von Fans gemacht ist) entwickelt und unterstützt. Als Dreingabe gibt es neben dem AGCEEP-Modus noch die "Age of Timur"-Modifikation, deren Szenario im Jahre 1399 beginnt und in der man unter anderem Perser und Mongolen anführen darf. In Sachen Spielumfang präsentiert sich For the Glory als unglaubliches Schwergewicht, wie man es so nur äußerst selten und eigentlich auch nur von teuren Vollpreis-Spielen geboten bekommt.
Es gibt immerhin kaum ein historisch bedeutsames Event, das nicht berücksichtigt wurde und die große Optionsvielfalt, etwa der Zusammenschluss der Provinzen zu einer großen Nation, zeigen, welch Liebe zum Detail hier aufgebracht wurde. Im Mehrspielermodus dürfen dann sogar bis zu 32 Mitspieler über LAN und Internet versuchen, die Weltherrschaft an sich zu reißen, was jedoch gelegentlich ein wenig instabil laufen kann.
Kaufen könnt ihr For the Glory beispielsweise bei GamersGate.com
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Facts
Name:
For the Glory - A Europa Universalis Game
Aktuell betrachtet:
Von uns getestet für:
Hersteller:
Crytal Empire
Genre:
Rundenbasierte Strategie
Spieler:
1-32 (online)
HDTV bis zu:
-
Speicher:
1.0GB Festplattenspeicher
Altersfreigabe:
-
Sprache/Texte:
Englisch
Geeignet für:
Strategie-Anhänger, die auf ein Grafikfest verzichten können.
Release:
10.11.09
Pro + Cons
PRO:
+ 180 Nationen
+ 2020 Provinzen
+ Sehr vielfältige Diplomatie
+ Ausgereiftes Wirtschaftssystem
+ Benutzerfreundlicher als Vorgänger-Version
+ Über 10.000 historische Ereignisse
+ Ausführliches Tutorial
+ Bis zu 32 Spieler über LAN oder Internet
+ Treue Community mit vielen Moddern
CONTRA:
- Technisch gnadenlos veraltet
- Zu viel Micromanagement
- Verkaufsversion nur auf Englisch
- Enttäuschende Soundeffekte
- Für Neueinsteiger viel zu komplex
- Multiplayer-Modus gelegentlich instabil
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