Der G.A.M.E. Bundesverband der Computerspielindustrie e.V., Branchenvertreter der deutschen Unterhaltungssoftware-Industrie, hat zur Sicherstellung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Publisher und Entwickler von Videospielen auf die Chancen, aber auch Risiken, des geplanten Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA hingewiesen.
Am Mittwoch fand auf Einladung des Deutschen Kulturrats ein Hintergrundgespräch mit führenden Wirtschafts- und Kulturpolitikern in Berlin statt. Neben dem parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Otto waren Bundestagsabgeordnete von SPD und CDU sowie Mitglieder des Wirtschaftsministeriums anwesend.
Stellvertretend für den G.A.M.E.-Verband sprach sich Thorsten Unger, Geschäftsführer Politik, insbesondere gegen eine Ausdehnung Patenten auf Spielmechanismen oder Geschäftsmethoden aus, da dies für die Entwicklung von Computer- und Videospielen unkalkulierbare rechtlichen Risiken nach sich ziehen würde. Beispielshaft sei hier das „Free-to-Play“-Modelle genannt, welches kostenloses Spielen ermögliche und sich über das Erwerben von virtuellen Gütern refinanziere. Diese sei in Europa Allgemeingut, dagegen stünden US-amerikanische Verfahrenspatente, deren Ausweitung auf den europäischen Raum unbedingt zu vermeiden sei. Ein vermutlich guter Einwand, denn sollten Patente auf ganze Spielemechaniken ausgeweitet werden, gäbe es zukünftig vielleicht nur noch einen Shooter, in dem man selbst Fahrzeuge steuern kann, oder nur noch einen Titel, der sich durch das Free-to-Play-Modell finanziert. Dies würde auch ungemein die Kreativität von Entwicklern eingrenzen, die zukünftig jede Idee für Gameplay-Elemente auf ein bereits existierendes Patent prüfen und gegebenenfalls verwerfen müssten.
Außerdem forderte er, dass negative Auswirkungen auf die Förderfähigkeit von Computer- und Videospielen dringend verhindert werden müssten. Andernfalls sei ein gravierender Rückschritt für die Gamesindustrie als einem innovativen und rasant wachsenden Segment der Kreativwirtschaft zu befürchten.
Weiter fordert der G.A.M.E.-Verband eine Angleichung des Jugendschutzes unter Rücksichtnahme der jeweiligen kulturellen Besonderheiten. Unterschiede im Daten- und Urheberrechts dürften nicht zu Wettbewerbsnachteilen für europäische Anbieter werden.
Thorsten Unger verglich Videospiele in ihrem Charakter dabei mit Kulturgütern, die Ausdruck medialer und kultureller Vielfalt seien.
Der G.A.M.E.-Verband gab daher Handlungsempfehlungen, sollte sich die deutsche Bundesregierung nicht für den den Ausschluss der Kultur- und Kreativwirtschaft beim geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA aussprechen.
»Wir konnten in dem Gespräch unsere zentralen Rahmenbedingungen für eine europäisch-amerikanische Freihandelszone zum Ausdruck bringen«, so Thorsten Unger. »Es gilt negative Auswirkungen für die europäische Gamesindustrie zu verhindern. Wir sehen in einer rechtlichen diffusen Marktsituation eine Eindämmung von Innovation. Als Wachstumsbranche im Hightech-Umfeld kann dies nicht akzeptabel sein und stellt einen erhebliche Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Ländern dar.«
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