Game of Thrones Episode 3 – The Sword in the Darkness

Die Probleme des ersten Aktes sind auch immer die Probleme des dritten Aktes – alte Theater-Weisheit, die auch auf die Telltale Games-Videospielumsetzung von Game of Thrones zutrifft. Nach Episode 1 „Iron from Ice“ und Episode 2 „The Lost Lords“ steht mit „The Sword in the Darkness“ bereits die dritte Episode zur Verfügung. Die Handlung kommt in dieser Episode vollends ins Rollen, die Ereignisse überschlagen sich, alles spitzt sich zu einer ausgewachsenen Katastrophe zu. Wie gut das Ganze inszeniert ist, erklären wir euch jetzt.

Spoiler-Warnung: Um das Spiel und dieses Review absolut spoilerfrei lesen zu können, solltet ihr bei Game of Thrones die dritte TV-Staffel bzw. den dritten Band beendet haben. Unseren ausführlichen Test zur ersten und zweiten Episode mit Hintergründen zu Telltale Games und Game of Thrones solltet ihr nicht verpassen.

Die Story gibt zwar Gas, aber mir fehlt einfach die Verbindung zu den spielbaren Charakteren. Ehrlich gesagt lässt mich der Verlauf einiger Handlungsstränge mittlerweile völlig kalt. Das gesamte Schicksal der Familie Forrester scheint zum Scheitern verurteilt zu sein, egal wie sehr man sich bemüht, die Konsequenzen sind gnadenlos. Da aber von Episode 1 an versäumt wurde, eine Anteilnahme am Schicksal der Forrester aufzubauen, fiel es mir streckenweise schwer, immer die bestmögliche Entscheidung zu treffen.

Game-of-Thrones-Ep3-Tyrion-Arrest

Clockwork Darkness

Was Telltale Games in ihrer dritten Episode von Game of Thrones offenbart, ist ein Ereignishorizont, der Seinesgleichen sucht. Aktion-Reaktion, Ereignis-Folge sind präzise wie in einem Uhrwerk miteinander verzahnt. Die leichteste Drehung an einem kleinen Rädchen verändert alles. Jede Schwingung nimmt das Spiel auf und schleudert es dir als Orkan zurück. Es sind nicht nur die großen Szenen, die dich zu großen Entscheidungen zwingen, wie etwa der Telltale Games-Klassiker „Welchen Charakter rette ich, welchen überlasse ich seinen Schicksal?“, denn im Grunde hat jeder Schritt, jede Tat bei Game of Thrones dieses Ausmaß. Die Entwickler schaffen es dabei trotzdem, dass es dem Spieler nicht möglich ist, alle Konsequenzen zu durchschauen. In jedem Moment, in dem man sich der Kontrolle sicher fühlt, wirft das Spiel eine unerhörte Begebenheit in den Raum. Das ist der absolute Reiz des Storytellings von Telltale Games. Eine Form, die in Game of Thrones Episode 3 ihre bisherige Formvollendung findet.

Leider wird für mich das spielerische Potential nicht ausgeschöpft, weil der Charakterbezug zu sehr vernachlässigt wird. Das Spiel hat Sympathieträger wie Asher Forrester und auch Gareds Handlungsstrang an der Mauer wird ungemein spannend. Das hat großes Potential. Bei Rodrik und Mira scheint es hingegen nur noch um Schadensregulierung zu gehen. Besonders bei Mira spielen wir in King’s Landing das Spiel der Throne mit – und können bei Mitspielern wie Cersei, Tyrion und Margaery nur verlieren.

Keine Herzensangelegenheit

Der Wechsel zwischen den spielbaren Charakteren passiert für meinen Geschmack jedoch zu schnell. Das große Ganze, dem allen Charaktere dienen – Der Rettung des Hauses Forrester – wird zu wenig Bedeutung gegeben. Das Spiel schafft es nicht, dass ich wirklich alles daransetze, die Ironwoods zu retten. Rodriks Schicksal und sein verzweifelter Kampf um Ironrath dringt nicht wirklich zu mir durch.

Das ist nach wie vor Jammern auf höchstem Niveau. Natürlich werde ich auch die noch offenen drei Episoden spielen. Ich will wissen, wie es mit den Figuren weitergeht, wer es schaffen wird, wer neu hinzukommt, was uns Telltale Games noch für Brocken in den Weg legen wird. Außerdem holt die Story langsam die Ereignisse der letzten TV-Staffel auf, wir können also auf das, was noch kommt, mehr als gespannt sein!

Pro & Cons

Pros:

+ immer noch grandioses Storytelling
+ Handlungen verdichten sich
+ spannende Wendungen
+ dynamischer Wechsel zwischen spielbaren Charakteren
+ mehr Kämpfe, Action, Blut
+ noch mehr bekannte Schauplätze
+ George R. R. Martinsche Gnadenlosigkeit mit Figuren
+ Game of Thrones ohne Wiener und Boobies (+/-)

Cons:

- abseits der Dialoge immer noch wenig Interaktion
- zu viele spielbare Charaktere, die Bindung fehlt
- Schauplätze wechseln häufig, sind nie frei erkundbar
- keine deutschen Untertitel
- Game of Thrones ohne Wiener und Boobies (+/-)
- Telltale, kriege endlich deine Grafik-Bugs in den Griff!

Wertung

  • Grafik: 6/10
    6/10
  • Sound: 9/10
    9/10
  • Story: 8.5/10
    8.5/10
  • Umfang: 7/10
    7/10
  • Steuerung: 8/10
    8/10
  • Spaß: 8.5/10
    8.5/10
  • Gameplay: 8/10
    8/10

Closing Comment

Auch die dritte Episode erweckt gemischte Gefühle. Die Entscheidungen und deren Folgen sind wahnsinnig komplex, die Handlung hat endlich größere Schritte gemacht, auf dem Papier scheint alles zu stimmen. Nur die emotionale Bindung zu den Charakteren wird vernachlässigt, was für Telltale Games ungewöhnlich ist. Das Schicksal der Familie Forrester wird auch zur Halbzeit der Game of Thrones-Reihe noch nicht zu unserer Herzensangelegenheit. Genau wie die Technik des Games. Ruckler, kleinere Grafikbugs und Soundaussetzer sind ebenfalls wieder anzutreffen.

8/10
Hejhej, ich bin Lucas und ich schreibe. Am liebsten über Games und allerliebsten für GamePire. Das mach ich seit 2011. Für mich gibt es nur zwei Genres: gutes Game und schlechtes Game. Jedes Videospiel erzählt eine Geschichte, ob sie nun vorgefertigt ist oder erst durch die Online-Community erzählt werden muss. Ich bin hier, um mir diese Geschichte anzuhören und darüber zu schreiben.

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